Bitte schicken Sie uns Ihre Bewerbung per E-Mail an bewerbung@fsj-freiburg.de mit folgenden Unterlagen:

  • Lebenslauf mit Foto
  • Ihr letztes Schulzeugnis
  • Zeugnisse / Bescheinigungen über berufliche Ausbildung, Tätigkeiten oder Praktika (sofern vorhanden)
  • Führerscheinkopie (sofern vorhanden)

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Große Schritte, riesen Freude

Im Schulkindergarten HUCKEPACK wird auf jedes Kind individuell eingegangen (Foto: Nils Müller).

In einem ehemaligen Schwimmbad in Freiburg-Zähringen ist der Schulkindergarten HUCKEPACK beheimatet. Ein besonderer Ort für eine besondere Einrichtung der AWO Freiburg. Einrichtungsleiterin Johanna Leppert und Denise Kimmich, die derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Schulkindergarten HUCKEPACK absolviert, erzählen aus ihrem Arbeitsalltag:

Frau Leppert, was ist das Besondere am Schulkindergarten HUCKEPACK?

Johanna Leppert: Wir sind eine Einrichtung, die körper- und mehrfachbehinderte Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren bis zu ihrer Einschulung begleitet. Bei uns werden Jungen und Mädchen betreut, die gelagert werden müssen und im Alltag viel Unterstützung brauchen, sowie welche, die laufen und sprechen können. Manche kommunizieren alternativ und werden dabei mit Sprachausgabegeräten oder Kommunikationskarten unterstützt. Uns geht es darum, die Kinder in ihrer Selbstständigkeit und ihrem individuellen Lernen zu fördern.

Wie geht Ihre Einrichtung auf diese besonderen Bedürfnisse der Kinder ein?

Johanna Leppert:Jedes unserer 25 Kinder hat einen individuellen Förder- und Bildungsplan, der im Alltag umgesetzt werden soll. Im Umgang mit den Kindern lassen wir immer therapeutische Ansätze etwa aus der Physiotherapie oder der Logopädie einfließen, sodass die Jungen und Mädchen quasi nebenbei in ihrer Motorik oder beim Sprechen gefördert werden und es nicht als Therapie empfunden wird.

Dafür sind die Kinder in fünf Gruppen mit eigenem Gruppenteam untergebracht. Ein Team besteht immer aus hauptamtlichen Mitarbeitern und zwei Freiwilligen im FSJ oder BFD, die für uns wertvolle Arbeit leisten. Ohne Freiwillige geht es bei uns nicht.

Denise, Warum hast Du Dich dazu entschieden, im Schulkindergarten HUCKEPACK dein BFD zu machen?

Denise Kimmich: Hier hat für mich alles gepasst. Ich fand das Konzept schön. Man kann sehr eng mit einzelnen Kindern zusammenarbeiten, da die Gruppen mit vier bis sechs Kindern relativ klein sind. Ich hatte schon im Vorfeld darüber nachgedacht, später beruflich mit Menschen mit Beeinträchtigung zu arbeiten. Während meines BFD konnte ich ausprobieren, ob das was für mich ist – und wurde darin bestätigt: Nach meinem Freiwilligendienst werde ich eine Ausbildung in Heilerziehungspflege zu machen, weil mir die Arbeit hier sehr gefällt.

Was macht Dir hier besonders Freude?

Denise Kimmich: Es ist toll zu sehen, dass man den Kindern eine Hilfe sein und ihnen viel Unterstützung geben kann. Ich finde es sehr spannend, individuell auf sie einzugehen: Jedes Kind hat beim Spielen eigene Vorlieben, was immer für Abwechslung sorgt. Ein Highlight ist auch, mit dabei zu sein, wenn wir mit den Kids Schwimmen oder Reiten gehen. Außerdem ist das Arbeitsklima hier sehr angenehm.

Was muss jemand mitbringen, der bei Ihnen einen Freiwilligendienst machen möchte, Frau Leppert?

Johanna Leppert: Auf jeden Fall Begeisterung und Freude für die Arbeit mit Kindern. Aber auch Geduld und Einfühlungsvermögen. Schließlich muss man sich auf das Tempo der Kinder einstellen und akzeptieren, dass das eine oder andere Kind langsamer oder spezieller im Verhalten ist. Wichtig ist auch eine gewisse Teamfähigkeit, da wir in den Gruppenteams intensiv zusammenarbeiten. Jeder sieht, was der andere tut, sodass stets eine wechselseitige Unterstützung gegeben ist. Wenn ich nicht einordnen kann, was ein Kind möchte, kann mir ein anderer Betreuer, der in dem Moment vielleicht einen besseren Zugang zu diesem Kind hat, weiterhelfen. So können sich die Freiwilligen und die hauptamtlichen Mitarbeiter im Zusammenspiel gut ergänzen.

Denise Kimmich: Wenn ich nicht weiterweiß, habe ich tatsächlich immer jemanden, an den ich mich wenden kann. Grade zu Beginn braucht man etwas Zeit, sich zu orientieren, sich auf die Bedürfnisse der Kinder einzustellen und zu verstehen, wie man in bestimmten Situationen handeln sollte.

Was nimmst Du für Dich aus Deinem Freiwilligendienst für Dich mit?

Denise Kimmich:Einerseits glaube ich, dass ich selbst in der Zeit gereift bin. Auf der anderen Seite ist es wahnsinnig schön, die Entwicklung der Kinder mitzuerleben. Jedes Kind macht Fortschritte. Davon ein Teil zu sein, macht mich stolz.

Johanna Leppert: Ein Beispiel: Ein Kind schafft es nicht, Dinge mit seinen Händen festzuhalten. Plötzlich klappt es und das Kind hält etwas fest. Das ist ein großartiges Erlebnis – nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns! Sich über scheinbar unscheinbare Kleinigkeiten zu freuen, die für die Kinder riesige Schritte sind, gibt einem immer wieder ein gutes Gefühl bei der Arbeit.

Zu den Personen: 

Johanna Leppert (60 Jahre) leitet seit 1994 den Schulkindergarten HUCKEPACK.

Denise Kimmich (17 Jahre) macht seit September 2018 ein BFD im Schulkindergarten HUCKEPACK.


Besondere Erfahrungen und Erfolgserlebnisse

Mit kleinen Handreichungen im Alltag möchte die ISA Menschen mit Handicap ein eigenständiges Leben ermöglichen (Foto: AWO Freiburg).

Die AWO Freiburg bietet jungen Menschen, die sich in einem Freiwilligendienst engagieren wollen, vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Eine davon ist die ISA. Gerd Neumann aus der ISA-Leitung und Nele Schwarz, die bei der ISA derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst absolviert, stellen die Institution vor.

Worum handelt es sich bei der ISA, Herr Neumann?

Gerd Neumann: ISA steht für Individuelle Schwerstbehinderten-Assistenz. Es handelt sich um einen ambulanten Dienst, der Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag begleitet und unterstützt, Assistenz leistet und teilweise auch Pflegeaufgaben übernimmt. Unser Anliegen ist es, dass diese Menschen trotz einer schweren Behinderung eigenständig sein und am alltäglichen Leben teilhaben können.

Nele, was hat Dich dazu bewogen, in diesem Bereich einen Freiwilligendienst zu machen?

Nele Schwarz: Ich wollte nach der Schule ein Jahr Pause machen und mich orientieren. Da ich es mir gut vorstellen kann, im sozialen Bereich zu arbeiten, bietet mir mein BFD die Möglichkeit, zu schauen, ob das was für mich ist. Die ISA fand ich spannend, da man dort Verantwortung für eine Person übernehmen kann. Ich habe mich dann beworben und schnell eine Antwort bekommen.

Neumann: …tatsächlich behandeln wir FSJ- und BFD-Bewerbungen mit hoher Priorität. Einerseits, weil wir die Freiwilligen brauchen – rund 20 bis 30 unserer 90 Mitarbeitenden sind Freiwilligendiensleistende. Auf der anderen Seite möchten wir junge Menschen für soziale Berufe begeistern. Wir wollen Leute, die Hilfe brauchen, mit denen zusammenbringen, die Hilfe leisten können, und so Vorbehalte abbauen.

Wie funktioniert der Bewerbungsprozess?

Neumann: Man kann uns per Mail die üblichen Bewerbungsunterlagen zukommen lassen: Lebenslauf, Foto, die wichtigsten Zeugnisse und gegebenenfalls Praktika-Bescheinigungen und Führerschein. Im persönlichen Gespräch schauen wir, zu welchem Assistenznehmer der Bewerber passen könnte, und vereinbaren ein Kennenlernen und eine Hospitation. Am Ende entscheiden die Klienten und die Bewerber, ob sie es miteinander wagen wollen. Wenn einer von beiden Zweifel hat, ist das völlig in Ordnung und wir suchen nach einer Alternative – im Falle von Frau Schwarz hat zum Glück alles gepasst.

Nele: Stimmt! Ich betreue einen Studenten und bin Schulassistenz-Kraft bei einer Schülerin. Den Studenten unterstütze ich in der Pflege und bei alltäglichen Kleinigkeiten: An- und Auskleiden und Essen zubereiten zum Beispiel. Für die Schülerin schreibe ich etwa im Unterricht mit. Am Anfang war ich im Umgang mit ihnen etwas zögerlich. Man muss sich schließlich erst aufeinander abstimmen. Mittlerweile kann man fast von einem freundschaftlichen Verhältnis sprechen. Nahezu alles läuft inzwischen reibungslos ab und ich weiß immer, was ich zu tun habe.

Welche Herausforderungen hast Du während deines Freiwilligendienstes bislang bewältigen können?

Nele: Während der Schulassistenz haben wir mal einen Schulausflug in die Freiburger Innenstadt gemacht. Dabei ging es auch auf den Schlossberg. Ein Stück des Weges konnten wir per Aufzug zurücklegen, zwei weitere Etagen musste ich die Schülerin im Rollstuhl schieben. Das war echt anstrengend, aber es hat geklappt! Jetzt ist noch ein Landschulheimaufenthalt geplant – in einer nicht sehr barrierefreien Umgebung. Das sind Situationen, die man im Alltag lösen muss. Mit der Zeit traut man sich selbst immer mehr zu. Mit den Pflegeaufgaben hingegen hatte ich eigentlich keine Probleme.

Neumann: Dabei ist das ein Bereich, in dem viele eine Scheu haben und es sich nicht zutrauen. Die meisten erzählen, dass es relativ schnell selbstverständlich wird. Es macht immer wieder Freude zu sehen, wie sich junge Menschen während ihres FSJs oder BFDs entwickeln, und diese Entwicklungen zu unterstützen. Mit der Erfahrung aus 26 Jahren können wir den jungen Männern und Frauen während dieser Zeit eine intensive fachliche Begleitung bieten, damit sie so viel wie möglich für sich mitnehmen können. Klar gab es schon welche, die hier an ihre Grenzen gekommen sind. Aber das ist die Ausnahme. Viele erleben eine Bestätigung, sich im sozialen Bereich engagieren zu wollen, und bleiben uns danach als Mitarbeiter erhalten.

Und was nimmst Du aus Deiner Zeit bei der ISA mit, Nele?

Nele: Die Arbeit in der ISA ist eine ganz besondere Erfahrung. Es ist schon cool, während der Zeit so eine Beziehung zu seinen Klienten aufzubauen. Ich weiß jetzt, dass ich auf jeden Fall in meinem Leben weiter im sozialen Bereich tätig sein möchte – sei es beruflich oder ehrenamtlich. Außerdem habe ich an Selbstständigkeit und Souveränität gewonnen. Bei neuen Aufgaben, bei denen ich früher zunächst unsicher war, denke ich mir heute: „Probieren wir’s einfach aus!“

 

Zu den Personen:

Gerd Neumann arbeitet in der ISA-Leitung. Der 55-Jährige hat an der EH Freiburg Soziale Arbeit studiert und ist seit 1993 bei der ISA.

Nele Schwarz kommt ursprünglich aus Raesfeld in Nordrhein-Westfalen. Seit September 2018 macht die 19-Jährige einen Freiwilligendienst bei der AWO.

 


Gemeinsame Schulzeit: Kinder der Utopie

ISA-Nutzer Nils Stollenwerk erzählte bei einer Gesprächsrunde über seinem früheren Schulalltag (Foto: Nils Müller).

Was bedeutet Inklusion im Schulalltag? Um diese zentrale Frage ging es beim bundesweiten Aktionstag am 15. Mai, bei dem in über 160 Kinos der Film „Kinder der Utopie“ von Hubertus Siegert gezeigt wurde, in den Kinosälen. Bei diesem Dokumentarfilm schauen sechs junge Erwachsene mit und ohne Handicap zurück auf ihre gemeinsame Grundschulzeit in einer Inklusionsklasse. Sie reflektieren ihre Erlebnisse und Erfahrungen – und blicken in die Zukunft. Dank des Engagements des Netzwerks Schule für Alle, der Stadt Freiburg und der Initiative „freiburg für alle“ fand auch im Harmonie-Kino Freiburg eine Vorstellung samt anschließender Diskussionsrunde statt.

Mittendrin: 15 junge Menschen, die derzeit einen Freiwilligendienst bei der AWO Freiburg absolvieren. Sie alle engagieren sich in Schulen mit und für Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf. Bei regelmäßig stattfindenden Schulassistenz-Treffen werden die jungen Männer und Frauen während ihres Freiwilligendienstes von der AWO fachlich begleitet. Weil das Thema des Filmes den Freiwilligendienstleistenden tagtäglich begegnet, fand das Treffen im Mai im Kino statt. Neben dem Film lieferte die anschließende Gesprächsrunde, bei der unter anderem ISA-Nutzer Nils Stollenwerk aus seinem früheren Schulalltag berichtete, weitere Impulse zum Thema Inklusion an Schulen – Eindrücke, die die Freiwilligen bei ihrem nächsten Treffen im Schulassistenzteam besprechen und reflektieren möchten.


Ein großes Wiedersehen mit vielen neuen Erkenntnissen

Antonia mit ihrem Klienten Philipp (Foto: privat).

Gemeinsam mit anderen seinen Freiwilligendienst reflektieren, Erfahrungen austauschen und den eigenen Horizont erweitern: Das passiert bei den Seminaren, die jeder Freiwilligendienstleistende während seines FSJs besucht. Antonia (20 Jahre) erzählt von ihrer Seminarwoche in der Jugendherberge in Breisach:

“Meine Seminarwoche war wahnsinnig interessant, beeindruckend und zugleich ein großes Wiedersehen: Die Seminargruppen bleiben über das gesamte FSJ gleich; kennengelernt hatten wir uns schon beim Einführungsseminar, in dem es hauptsächlich darum ging, den eigenen Einsatz zu reflektieren. Dabei erfährt man auch viel über die Einsätze der anderen Freiwilligendienstleistenden. Viele sind beim Rettungsdienst, arbeiten mit Jugendlichen oder kümmern sich um Menschen mit Einschränkung – so wie ich. Außerdem hatten wir damals die Möglichkeit, Themen zu sammeln, die wir nun im Zwischenseminar bearbeitet haben.

Entsprechend vielfältig war das Programm: Wir haben uns etwa mit einem ehemaligen Heroinabhängigen über Drogensucht unterhalten. Das war total krass, auch, weil der Referent sehr offen über seine Lebensgeschichte gesprochen hat. Außerdem haben wir während des Seminars mit einem Referenten, der selbst eine psychische Erkrankung hatte, über Angststörungen gesprochen, und konnten dank des Vortrages eine JVA-Sozialarbeiterin einen Einblick über Leben und Alltag im Gefängnis gewinnen. Die Teamer haben sich wirklich sehr Mühe beim Programm gegeben und alles unterbekommen, was wir uns gewünscht haben. Da wir auch noch einen Selbstverteidigungskurs und einen Yoga-Kurs bekommen haben, kam auch das Aktive nicht zu kurz.

Für mich haben diese Seminare einen extrem hohen Stellenwert. Ich finde es wichtig, während des Freiwilligendienstes auch mal rauszukommen. So ein Seminar ist dann fast wie Urlaub – auch, weil die Herberge sehr schön gelegen ist. Besonders ist auch der Teamspirit: Wir sind eine große Gruppe und können so offen miteinander reden, wie ich das bislang nur selten erlebt habe. Inzwischen bin ich mit einigen anderen Teilnehmern sogar befreundet und sehe sie regelmäßig privat. Das nächste Seminar dürfen wir dann in Gruppen selbst organisieren und ich freue mich jetzt schon extrem drauf.”


Gegenseitiges Kennenlernen

Gregor (links) wirft einen ersten Blick auf seinen neuen Arbeitsplan (Foto: Nils Müller).

Anfang September veranstaltete die AWO ein Begrüßungsseminar für die neuen Freiwilligendienstleistenden. Bei der ganztägigen Veranstaltung bekamen die Teilnehmer wertvolle Informationen über ihren neuen Arbeitsalltag bei der AWO – und lernten sich dabei gegenseitig kennen.  (mehr …)


Eine Erfahrung, die jeden weiterbringt

Hohe Abbruchraten, Personalmangel in Pflege- und Sozialberufen oder ein verpflichtender Dienst: Über Freiwilligendienste und die Arbeit im Sozialbereich wird derzeit viel diskutiert. Im Interview sprechen ISA-Klient Nils Stollenwerk (20) und ISA-Mitarbeiterin Franziska Mayer (23) über ihre Erfahrungen mit FSJ und BFD – und warum sich Freiwilligendienste lohnen. 

Laut Medienberichten liegt die Abbruch-Rate beim Bundesfreiwilligendienst bei rund 32 Prozent…

Nils: Meine Assistenten haben ihren Sozialdienst bisher immer durchgezogen, meine Stelle ist ja auch eine besonders coole (lacht). Nur in der dritten Klasse hatte ich mal einen Freiwilligendienstleistenden, der hat abgebrochen. Allerdings wurde ihm auch geraten, sich etwas anderes zu suchen.

Franziska: Während meines BFD habe ich nie an einen Abbruch gedacht. Grundsätzlich habe ich bei den Jüngeren das Gefühl, dass immer weniger einen Freiwilligendienst machen wollen. Ich finde das schade, weil den Menschen viel entgeht. Heutzutage muss alles sehr schnell gehen: Schule fertig, ab in die Uni und mit 20 hat man einen Bachelor, ist aber noch gar nicht richtig erwachsen. Nach dem Schulabschluss soll man auf einmal wissen, was man werden und sein gesamtes Leben machen will. Das ist eine krasse Frage, die man sich dann stellt. Da gibt es nichts Besseres, als sich erstmal ein Jahr lang die Zeit zu nehmen, um zu sich selbst zu finden.

Nils: Außerdem bekommt man einen Einblick in einen geregelten Arbeitsalltag mit 39 Stunden in der Woche. Da merkt man später, sollte man nach dem FSJ oder BFD anfangen zu studieren, wie entspannt Uni ist, und kann sein Studium ganz anders genießen.

“Sich selbst zu beweisen, dass nach einem Motivationstief auch wieder bessere Zeiten kommen, ist eine wertvolle Erfahrung.” – Nils hat selbst ein FSJ absolviert (Foto: Nils Müller).

Welche guten Gründe gibt es, trotz Zweifel weiterzumachen?

Franziska: Es macht einen stolz, wenn man es durchgezogen hat. Außerdem sieht es später bei Bewerbungen gut aus. Bei mir war es total wichtig, dass ich es gemacht hab, weil ich jetzt im sozialen Bereich studiere. Es macht ja auch Freude und ist befriedigend, sich sozial zu engagieren und somit auch der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Nils: Ja, man lernt, dass nicht immer alles Spaß machen kann und man es trotzdem bewerkstelligen muss. Ich hatte im letzten Drittel meines eigenen Freiwilligendienstes auch ein Tief, wo ich keine Lust mehr hatte. Da dachte ich mir: „Krass, das ist ja bald zu Ende. Warum bin ich jetzt unmotiviert, ich kann ja auch im Endspurt nochmal Gas geben.“ Sich selbst zu beweisen, dass nach einem Motivationstief auch wieder bessere Zeiten kommen, ist eine wertvolle Erfahrung.

In Berichten über Menschen, die ihren Freiwilligendienst abgebrochen haben, heißt es oft, sie hätten nicht das Gefühl, gebraucht zu werden, der Dienst sei langweilig und viele Aufgaben sinnlos – wie empfindet Ihr das bei der ISA?

Franziska: Das ist bei der ISA nicht der Fall. Jeder Assistenznehmer ist unterschiedlich und ich war auch schon bei Menschen im Einsatz, bei denen ich mir phasenweise die Zeit vertreiben musste, weil sie so eigenständig waren. Sie brauchten zwar unbedingt eine Assistenzkraft in der Nähe, weil jederzeit eine Handreichung nötig werden konnte, aber es war keine permanente Aktivität erforderlich. Diese “Leerlaufzeiten” kann man auch sinnvoll nutzen, zum Beispiel indem man Hausarbeiten für die Uni bearbeitet.

Nils: Ich hatte mal einen FSJler, für den es ein großes Problem war, mit solchen Leerlaufzeiten umzugehen. Außerhalb der Schullektüre hatte der nie Bücher gelesen und hat dann damit angefangen, weil ich ihm zum Zeitvertreib Bücher in die Hand gedrückt habe. Das war cool für ihn, weil er den Lesespaß für sich entdecken konnte.

Franziska ist der AWO nach ihrem Freiwilligendienst erhalten geblieben und arbeitet neben ihrem Studium in der ISA (Foto: Nils Müller).

Was ist denn das Besondere an der ISA?

Franziska: Zum einen kenne ich kaum einen Job, der so flexibel ist. Auf der anderen Seite macht es auch einfach Spaß. Ich habe das Glück, Klienten zu haben, mit denen ich auch befreundet bin und privat Dinge unternehme – und was gibt es besseres, als wenn ich dafür bezahlt werde, Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich sehr gerne mag?

Nils: Tatsächlich ist es oft so, dass man Freunde wird. Auch, wenn ich nicht den Anspruch habe, dass aus einer Assistenz eine Freundschaft entstehen muss. Aber da man so viel Zeit miteinander verbringt, viele Aktivitäten miteinander plant und ich die Assistenzkräfte auch in meinen Freundeskreis mitnehme, entstehen Freundschaften – die auch über den Freiwilligendienst hinaus anhalten: Mit vielen ehemaligen Freiwilligendienstleistenden von vor fünf, sechs Jahren habe ich nach wie vor Kontakt, mit einem bin ich letztens auch in den Urlaub gefahren.

Im Moment wird über einen verpflichtenden Sozialdienst diskutiert – was haltet Ihr davon?

Nils: Ich finde, jeder sollte einen Sozialdienst leisten, weil es jedem etwas bringt. Es sollte aber kein Zwang sein. Ich hätte keine Lust, einen Assistenten zu haben, der eigentlich keinen Bock hat. Das macht dann niemandem Spaß, weder dem Klienten noch dem Assistenten.

Franziska: Ich habe da gemischte Gefühle, schließlich gibt es immer weniger FSJler und BFDler. Wenn man Menschen zu einem Sozialdienst verpflichtet, sitzen die womöglich nur schlechtgelaunt ihre Zeit ab. Auf der anderen Seite hat es beim Zivildienst früher auch funktioniert. Ich kenne Assistenznehmer, die wurden damals von Zivis betreut. Sie meinen, es sei anfangs schon manchmal etwas schwer gewesen, aber fast alle hätten die Zeit dann doch sehr schätzen gelernt und gemerkt, viel sie ihnen gegeben hat. In meinen Augen wirkt für viele ein Freiwilligendienst auf vielen Ebenen zu unattraktiv und da müsste man ansetzen. Schließlich bringt so eine Erfahrung jedem etwas für die eigene Entwicklung.

 

Franziska Mayer ist seit 2013 bei der ISA. Nach ihrem Bundesfreiwilligendienst ist sie der AWO als Mitarbeiterin erhalten geblieben: Neben ihrem Studium der Heilpädagogik arbeitet sie als ISA-Assistentin.

Nils Stollenwerk wird seit dem Grundschulalter von der ISA betreut. Er studiert Politik und Deutsch auf Lehramt und hat nach seinem Abi selbst ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.


“Dieses Jahr hat mir Selbstbewusstsein gegeben”

“Es ergeben sich jeden Tag verschiedene Aufgaben”: Raphaels Alltag bei der ISA ist vielfältig (Foto: Raphael Habel).

Mitte Mai fand in Freiburg die Jobmesse Gesundheit & Pflege statt. Unser BFDler Raphael Habel (26) beantwortete in diesem Rahmen bei einem öffentlichen Interview auf der Aktionsbühne in den Messehallen Fragen über den Freiwilligendienst im Allgemeinen und bei der AWO im Speziellen.  

Was hat Dich dazu bewogen, einen Freiwilligendienst zu absolvieren?

Die Idee, einen Freiwilligendienst zu absolvieren, trage ich schon länger mit mir herum. Ich bin 26. Nach dem Abi hatte ich diese Option nicht wirklich auf dem Schirm, aber im Laufe der letzten Jahre habe ich immer wieder Menschen getroffen, die nach dem Abi einen Freiwilligendienst abgeleistet haben und war von ihrer Entscheidung und den daraus resultierenden Erfahrungsberichten sehr beeindruckt. Hinzu kam das Gefühl, nach Jahren an der Uni, die in der Regel sehr theoretisch und PC-intensiv waren, etwas komplett anderes zu tun, und zwar am besten eine unmittelbar sinnvolle Arbeit.

In welchen Arbeitsbereich wirst Du bei der AWO eingesetzt?

Ich arbeite bei der ISA, der Individuellen Schwerstbehinderten-Assistenz. Wie der Name schon sagt, ist das eine ambulante 1-zu-1 Assistenz für Menschen, die aufgrund verschiedener Einschränkungen nicht mehr in der Lage sind, selbstständig ihren Alltag zu bewältigen. Ich bin bei der ISA als Springer eingesetzt und bin deshalb in verschiedenen Einsätzen unterwegs. Die meisten Assistenznehmer sind Menschen mit Querschnittslähmung, aber ich habe beispielsweise auch schon in einer Inklusions-Kita ausgeholfen.

Was sind dabei Deine Aufgaben?

Je nach Einsatz und Art der Einschränkung sind die Aufgaben recht unterschiedlich. Bei meinem Assistenznehmer, bei dem ich die meisten meiner Einsätze habe, beginnt der Tag mit dem Anreichen von Medikamenten, Morgengymnastik und dann assistiere ich bei der morgendlichen Hygiene. Nach Ankleiden und Frühstück richten, beginnen wir den Tag zusammen beim Frühstück und dann ergeben sich jeden Tag verschiedene Aufgaben. Man ist Mobilitätshilfe, führt den Haushalt, erledigt Einkäufe und assistiert bei den Terminen, die anfallen. Jeder Tag und Einsatz ist anders, und es bleibt auch viel Zeit um sich zu unterhalten und kennenzulernen.

Was kannst Du aus Deinem Freiwilligendienst für Dich mitnehmen?

In einer Recht unsicheren Zeit zum Ende des Studiums, kam der BFD für mich gerade recht, um sich zu sammeln und zu schauen wie es weitergeht. Aber ich habe auch in meinen Einsätzen inspirierende Menschen getroffen, Lebensentwürfe kennengelernt, und sehr eindrückliche Gespräche geführt. Von der „Erweiterung des Horizonts“ ist ja oft im Zusammenhang mit Freiwilligendiensten die Rede und bei mir trifft diese Metapher recht gut zu. Dieses Jahr hat mir auch Selbstbewusstsein gegeben, sich erfolgreich in ein ungewohntes Arbeitsumfeld einzuarbeiten. Und darüber hinaus macht es auch einfach viel Spaß und ich habe viele schöne Erinnerungen machen können.

Was war für Dich das schönste Erlebnis in diesem Rahmen?  

Besondere Momente sind natürlich solche, in denen man über den reinen Dienst als Assistenzkraft hinausgehen kann. Einmal zum Beispiel habe ich einem Freund von meinen Aufgaben und meinem Alltag im BFD erzählt, und, da ihm mein Bericht sehr vertraut vorkam, hat sich herausgestellt, dass er vor 15 Jahren bei der gleichen Person ein Sozialpraktikum gemacht hatte. Ich habe dann vorgeschlagen, dass er beim nächsten Einsatz doch einfach vorbeikommen solle und es wurde ein richtig schöner Moment: Der Assistenznehmer war völlig überrascht, die beiden haben sich tierisch gefreut, sich mal wiederzusehen und für mich hat es sich schön angefühlt, die beiden zusammengebracht zu haben.

Warum lohnt es sich aus Deiner Sicht, ein FSJ oder BFD zu absolvieren?

Ich glaube, ein Freiwilligendienst lohnt sich auf ganz vielen Ebenen. Besonders nach dem Abi ist das ein Jahr, in dem man sich selbst gut orientieren kann. Was interessiert mich? Was möchte ich mal tun? Und nebenher hat man eine sinnvolle Arbeit, die den Alltag auch ein bisschen strukturiert.

Aber auch für junge Leute, die bereits fest wissen, was sie auf ihrem Berufsweg erwartet, ist ein solches Jahr mit Sicherheit gut investiert. Je nach Einsatz erwirbt man Fähigkeiten, die man selbst gut gebrauchen kann: Auf Menschen einzugehen, die nicht unbedingt Mitschüler oder Kommilitonen sind, aber auch Dinge wie Selbstorganisation oder Haushaltsführung. Auf die ISA bezogen, gerade Pflegetätigkeiten werden die meisten von uns irgendwann mal in Anspruch nehmen müssen und ich glaube es lohnt sich, auch mal die andere Seite kennenzulernen. Ein BFD/FSJ ist außerdem eine großartige Gelegenheit, Bekanntschaften zu machen und interessante Menschen kennenzulernen, denen man sonst im Alltag nicht selbstverständlich über den Weg läuft.

 


FSJ bei der AWO auf fudder.de

Lohnt sich ein Freiwilligendienst? Drei Freiburger FSJler erzählen

Eine davon ist Kara Schonert, die in einem interessanten Fudder-Artikel von Theresa Ogando über ihren Einsatz in unserer ISA erzählt, bei dem sie Inklusionschüler in der Lorettoschule mitbetreut. (mehr …)


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